Wunderliches aus der Welt der Pilze

Als Kind war ich ab und an mit meinem Opa Pilze sammeln. Die meisten gesammelten Pilze waren arg wurmstichig, was meinen Opa dennoch nicht davon abgehalten hat, sie entweder zu braten oder einzulegen. Ich weiß leider bis heute nicht, welche Pilze wir da immer geholt haben, allerdings haben sie immer gut geschmeckt. Inzwischen bin ich schon viele, viele Jahre nicht mehr auf Pilzsuche gewesen, meinen Opa gibt es leider mittlerweile auch nicht mehr. Ich würde schon gerne mal wieder los ziehen, aber ich traue es mir alleine nicht zu. Ich hätte zu große Angst, versehentlich einen giftigen Pilz einzusammeln.

Der guten, alten Zeiten wegen habe ich mir also vor einiger Zeit ein Pilzbestimmungsbüchlein gekauft, das es günstig im Supermarkt gab. Daheim beim Blättern ist mir dann aufgefallen, was für merkwürdige Namen unsere heimischen Pilze so haben.

Da gibt es so kuriose Vertreter wie die Krause Glucke, das Schweinsohr oder das Judasohr. Auch der Gewimperte Erdstern, der Klebrige Hörnling und der Strubbelkopfröhrling haben ziemlich merkwürdige Namen. Manche Pilze haben Tolkien’sche Hobbitnamen: Erdritterling, Nelkenschwindling, Samtfußkrempling… bei letzterem könnte man sogar haarige Füße vermuten 😉

Am merkwürdigsten finde ich es allerdings, wenn Pilze ganz und gar unappetitliche Namen haben, im Büchlein jedoch als essbar deklariert sind – und das kommt durchaus häufiger vor, als gedacht. Oder wolltet ihr nicht schon immer mal ein Totentrompeten-Omelette auf der Speisekarte finden? Die Totentrompete ist laut Buch ein „besonders schmackhafter Speisepilz“. Der Fleischrote Gallerttrichterling, der Rauchblättrige Schwefelkopf oder der Blaugestiefelte Schleimkopf sind ebenfalls allesamt essbar und genießbar.

Da lobe ich mir halt den Satanspilz oder den Speitäubling – da ist der Name Programm, die beiden Kameraden sind nämlich definitiv giftig.

Bei all diesen seltsamen Namen frage ich mich doch, was den Biologen bei der Namensgebung so durch den Kopf gegangen ist. Aber man muss ja nicht alles verstehen.

„Die Alchemie der Unsterblichkeit“ von Kerstin Pflieger

Wir befinden uns im Jahre des Herrn 1711. Der junge Karlsruher Inspektor Icherios Creihn wird überraschend zur Aufklärung einer brutalen Mordserie in das Städtchen Dornfelde im Schwarzwald abberufen. Die Anweisungen seiner Auftraggeber sind knapp und nicht allzu aufschlussreich und am Ziel angekommen stellt Creihn mit Schrecken fest, von Vampiren und Werwölfen umgeben zu sein, die hier Seite an Seite mit Menschen leben. Die Ermittlungen erweisen sich nicht nur wegen der ungewöhnlichen Gegebenheiten als sehr schwierig, auch das aufkeimende Misstrauen zwischen Menschen und Dunkelwesen sowie das kaltblütige Vorgehen des Mörders, setzen Creihn enorm unter Druck.

Eigentlich bin ich keine große Leserin von klassischen Fantasy-Geschichten. Diese hier hat mich jedoch gleich gefesselt, vielleicht weil es sich im Grunde genommen um einen Krimi handelt. Außerdem steh ich auf Vampire und Werwölfe 😉
Die Geschichte nimmt schnell an Fahrt auf und dank des schnörkellosen Schreibstils der Autorin kommt man gut voran. Die Charakterbeschreibungen sind meiner Meinung nach gelungen: die Unsympathischen kann man nicht leiden, die Netten schließt man schnell ins Herz und die Rätselhaften sind schwer zu durchschauen.

Apropos Durchschauen. Ich hatte schon sehr bald eine konkrete Ahnung, wer der Täter ist und sollte mit meinem Tip auch Recht behalten. Meiner Meinung nach hat die Autorin ein paar zu offensichtliche Randbemerkungen ins Geschehen einfließen lassen. Dies hat meinem Lesevergnügen dennoch keinen Abbruch getan, denn es war spannend mitzuverfolgen wie der Mörder den Ermittlern bis zum Schluß immer einen Schritt voraus ist und wie sich Creihn nach und nach die Lösung des Falls erschließt.

Die Geschichte selbst hat mich gefesselt. Allerdings sind mir gleich zu Beginn diverse Parallelen zu Tim Burton’s Film „Sleepy Hollow“ aufgefallen. Die Hauptfigur Icherios Creihn ähnelt nicht nur namentlich der von Johnny Depp gespielten Filmfigur Ichabod Crane. Beide teilen streng wissenschaftliche Ansichten und haben Schwierigkeiten, das Übersinnliche zu akzeptieren. Beide verlieben sich in die zarte Tochter ihres Gastgebers und beide haben rätselhafte Narben, die auf ein dunkles Geheimnis schließen lassen. Man mag das als Hommage sehen, ich war allerdings ein wenig enttäuscht, hatte ich mir von dem Roman doch etwas mehr erwartet, als einen Aufguss einer mir altbekannten Geschichte. Glücklicherweise verlor sich dieser Eindruck beim Weiterlesen, denn die Geschichte rückt dann doch wieder von „Sleepy Hollow“ ab.

Sehr schade finde ich, dass das Lektorat offensichtlich nicht so funktioniert hat wie es hätte sollen: Im Text verstecken sich zahlreiche Tipp- und Zeichenfehler. Natürlich gibt es immer mal ein oder zwei Fehlerchen in Büchern, bei so langen Texten ist das einfach nicht komplett auszuschließen, zumal hier ja auch nur ganz normale Menschen am Werk sind. Hier tritt dieses Phänomen allerdings gehäuft und auffallend oft auf, was mich persönlich wirklich stört. Ich hoffe, dass vor einer eventuellen Neuauflage nochmals korrigiert bzw. in den Fortsetzungen der Reihe von Vorneherein mehr Sorgfalt beim Lektorat aufgewendet wird.

Trotz der erwähnten Mängel habe ich mich beim Lesen von Kerstin Pfliegers Erstlingswerk ausgesprochen gut unterhalten gefühlt und werde mir daher gerne den Nachfolger „Der Krähenturm“ zu Gemüte führen. Ich bin gespannt, wie sich der junge Inspektor weiterentwickelt und bin natürlich neugierig zu erfahren, was es mit seinen Narben auf sich hat.

Überraschungspost

Schatz ist seit Dienstag geschäftlich unterwegs und so sind die Kleine und ich auf uns allein gestellt. Gestern kam nun ein Amazon-Päckchen mit einer Überraschung, die Schatz vor seiner Abfahrt bestellt hat, damit mir die Zeit ohne ihn nicht zu lange wird. Ich habe zwei Bücher bekommen, mit denen ich schon seit einer Weile liebäugele.

überraschungspost

Auf den Roman Die Alchemie der Unsterblichkeit von Kerstin Pflieger bin ich bei abraxandria aufmerksam und neugierig geworden. Gestern Abend habe ich direkt angefangen zu lesen und bisher gefällt es mir richtig gut. Ich mag den Schreibstil, und die Geschichte scheint sich auch in eine Richtung zu entwickeln, die mir zusagt. Allerdings musste ich beim Lesen immer wieder an Tim Burtons Film „Sleepy Hollow“ denken. Die Romanfigur Icherios Creihn erinnert mich nicht nur wegen des ähnlich klingenden Namens ziemlich an Johnny Depp aka Ichabod Crane, auch die Handlung zeigt gewisse Parallelen zum Film. Ich bin gespannt wie sich das weiter entwickelt.

Das zweite Buch mit dem etwas plakativen Titel Schönheit aus der Natur – Naturkosmetik selbst herstellen kenne ich von einer lieben Bekannten. Wir teilen seit Kurzem ein gemeinsames Hobby: das Seifesieden und Herstellen von Naturkosmetik. Davon werde ich in naher Zukunft noch in einem gesonderten Artikel berichten. Da musste ich das Buch natürlich einfach haben. Die Rezepte sind super und schön bebildert und ich würde gern so ungefähr jedes einzelne nachbrauen. Mal sehen, ob und wann ich dazu komme.

Hach, ich freu mich noch immer total über die Überraschungspost und begrabbele ständig meine beiden Errungenschaften. Ich merke immer wieder: ich hab halt einfach einen tollen Mann. Zum Glück kommt er heute Abend nach Hause 🙂

„Tschick“ von Wolfgang Herrndorf

Maik Klingenberg ist 14. Die Mutter trinkt und der Vater pflegt eine offene Affäre mit seiner Sekretärin. Maik ist irgendwie uncool, weswegen es auch mit den Klassenkameraden nicht so läuft und schon gleich gar nicht mit Tatjana, in die er heimlich verliebt ist. Als die Sommerferien beginnen, lässt sich Maiks Mutter mal wieder in die Entzugsklinik einweisen. Der Vater nutzt die Gelegenheit und verreist kurzerhand mit seiner Affäre. Maik bleibt allein zurück mit der Aussicht auf sechs einsame, langweilige Wochen und dem ernüchternden Wissen, dass er einer der wenigen seines Jahrgangs ist, der nicht zu Tatjanas großer Geburtstagsparty eingeladen ist. Gerade als Maik sich mit der Situation abgefunden und die Putzfrau für die nächsten Wochen weggeschickt hat, taucht Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, ist ein neuer Klassenkamerad. Der Russe lebt im Asi-Viertel und hat es irgendwie geschafft, sich von der Förderschule ins Gymnasium zu mogeln. Dort glänzt er jedoch hauptsächlich durch seine schwankenden schulischen Leistungen, die mit seiner mal mehr mal weniger vorhandenen Alkoholfahne in Verbindung stehen. Tschick besucht Maik überraschend zu Hause und schon nach wenigen Stunden gemeinsamen Abhängens entsteht so etwas wie eine Freundschaft. Die beiden beschließen, in die Walachei zu fahren, wo Verwandtschaft von Tschick lebt. Mit einem geklauten Lada machen sich die beiden auf den Weg. Völlig planlos, einfach ins Blaue hinein. Auf ihrer Reise erleben sie nicht nur viele Abenteuer, die ihre Verbundenheit weiter festigen und Maiks Selbstbewusstsein stärken, sie treffen zudem auf die verschiedensten Menschen, die ihnen immer wieder aus der Patsche helfen. Natürlich kann der Roadtrip zweier 14-jähriger Außenseiter nicht ewig weitergehen und so nimmt er zwangsläufig ein Ende.

Herrndorfs Werk „Tschick“ ist ein mehrfach ausgezeichneter Jugendroman, der von erstaunlich vielen Erwachsenen gelesen und gemocht wird. Sicherlich ist daran die Reife der beiden Protagonisten nicht ganz unschuldig, die stellenweise mit ihren 14 Jahren schon recht erwachsen daher kommen. Auch Maiks lakonische, manchmal etwas grüblerische Art zu erzählen, verstärkt diesen Eindruck. Dank der guten Story, die hinter dem Roman steckt und der beiden sympathischen Jungs, lässt sich das Buch rasch lesen. Am Ende war ich dann auch ein wenig traurig, dass die Reise der beiden schon vorbei ist, denn ich hätte sie gerne noch eine Weile weiter begleitet. Dennoch habe ich im ersten Moment gedacht: „Ich kann die Begeisterungsstürme um das Buch nicht ganz nachvollziehen“. Nun aber mit einigen Tagen Abstand konnten der Text und die darin verborgene Lebensklugheit dieser beiden Jungs richtig wirken und ja, ich habe diese Geschichte über Freundschaft und das Erwachsenwerden wirklich sehr, sehr gerne gelesen.

Mein guter Vorsatz: wieder mehr lesen

Im Grunde genommen halte ich nicht viel davon, sich an Silvester irgendwelche Vorsätze auszudenken. Ich glaube, dass viele Menschen diese Vorsätze nicht einhalten, weil sie unter dem Druck des Jahreswechsels entstehen und aus dem Gefühl heraus, dass im nächsten Jahr vieles besser oder zumindest anders werden muss. Dennoch komme ich an Silvester nicht umhin, das vergangene Jahr innerlich Revue passieren zu lassen und so überlege ich dann meist doch ganz automatisch, was im neuen Jahr verändert werden sollte.

Das letzte Jahr war recht hektisch und ich bin bei Weitem nicht mehr so oft zum Basteln und Lesen gekommen wie ich es mir gewünscht hätte. So möchte ich ab sofort wieder versuchen, ein wenig Muße dafür zu finden. Praktischerweise habe ich noch einen schönen Stapel von Büchern, die schon seit geraumer Zeit darauf warten, von mir gelesen zu werden.

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Einige davon habe ich mir selbst gekauft, zwei habe ich geschenkt bekommen, eines ist von meiner Mama entliehen und die Reclam-Heftchen gehören Schatz, der über die Feiertage, die wir bei seinen Eltern verbracht haben, in seinem Jugendzimmer nach Lesestoff gekramt hat.

Allerdings habe ich da noch eine „Perle“ auf Lager, die auf dem Foto nicht zu sehen ist. Ich liebe die Werke von Edgar Allan Poe und so habe ich von Schatz zu einem meiner Geburtstage eine ganz wundervolle Poe-Ausgabe erhalten.

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Die gebundene Ausgabe enthält 29 Erzählungen, darunter Poe’s bekannte Werke, aber auch einige, die man nicht unbedingt kennt. Das Buch ist von großem Format, etwas über DINA4 würde ich sagen, es ist leinengebunden und die Texte sind auf schwerem Papier abgedruckt. Alles in allem fasst es sich toll an und ich bin sehr stolz darauf. Ganz toll sind auch die Illustrationen.

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Die meisten sind sehr detaillierte Tusche-Zeichnungen, es findet sich jedoch auch das eine oder andere colorierte Bild. Die Abbildungen sind herrlich düster und makaber und passen somit perfekt zu Poe’s Werken.

So, und ich mache mir jetzt ein Tässchen Tee und schnappe mir gleich eines der Bücher von meinem Stapel und versuche somit, wenigstens einen meiner Silvester-Vorsätze in die Tat umzusetzen 😉

(Artikel zum Blogger-Wettstreit)

„Der bittere Geschmack der Zeit“ von Béa Gonzales

Eigentlich bin ich Martin von der Blogbar noch einen Artikel schuldig. Ich hatte mich für den Monat September mit dem Roman „Der bittere Geschmack der Zeit“ von Béa Gonzales für das „Project Re-Read“ angemeldet. Aufgrund unseres anstehenden Urlaubs, der mit Baby zu einem logistischen Kraftakt ausgeartet ist, habe ich das leider nicht mehr geschafft. Da ich den Roman jedoch tatsächlich gelesen und sogar noch in bester Absicht angefangen hatte, diese Rezension zu tippen, habe ich mich in den letzten Tagen auf meinen Hosenboden gesetzt und den Text fertig gestellt. Lieber Martin, spät, aber immerhin: mein Beitrag 🙂

Der Roman schildert das Leben der Encarna-Frauen, die im spanischen Städtchen Canteira eine Pension führen. Oberhaupt ist die Matriarchin Maria la Reina, „die Königin“, unter deren Regiment ihre beiden Schwestern Cecilia und Carmen, ihre beiden Töchter Asuncion und Matilde und ihre Enkelin Gloria stehen.

Nachdem Marias an Depressionen leidender Mann sich in den 1920er Jahren erhängt hatte, öffnen die Frauen aus finanzieller Not heraus ihr großes Haus für Reisende und haben damit bald ein so profitables Einkommen, um sie zu einer der reichsten Familien im Ort zu machen. Doch nicht nur die Reisenden kehren gerne im Hotel Encarna ein, auch die Ortsansässigen verbringen viele Abende dort. Cecilias opulente Speisen und Geschichten sind legendär und natürlich möchte jeder einen Blick auf die hochmütige, schöne Maria und die anderen Encarna-Frauen werfen, welche immer wieder für neidvollen Klatsch und Spott im Städtchen sorgen. So erfolgreich das Geschäft der Frauen auch laufen mag, sie werden mehrmals von schlimmen Schicksalsschlägen ereilt. Begonnen beim Selbstmord von Marias Mann folgen im weiteren Verlauf Ereignisse wie Liebesschmerz, Vergewaltigung, Wahnsinn oder Tod, die die kleine Welt der Frauen erschüttern, und auch der Krieg unter Franco hinterlässt seine Spuren.

Die Sprache der Autorin ist blumig, immer wieder flechtet sie spanische Ausdrücke in den Text ein. Manchmal erzählt sie wie die Protagonistin Cecilia zu weitschweifig, sodass ich einige Male kurz davor war, die Geduld mit der Geschichte zu verlieren. Die Figuren sind durchweg sympathisch, auch das raubeinige Familienoberhaupt Maria, und deren Handlungsweisen sind immer nachvollziehbar, doch blieb mir das Gefühl, dass da mehr drin gewesen wäre. Vielleicht hätte die Autorin die Frauengruppe etwas kleiner ausfallen lassen sollen, um sich mehr auf die einzelnen Charaktere konzentrieren zu können. So geraten einige Figuren, deren Innenleben sicherlich auch interessant für den Leser gewesen wäre, leider etwas flach. Beim Lesen habe ich immer wieder an Isabel Allende denken müssen, auch wenn Béa Gonzales‘ Stil bei Weitem nicht an den ihren heran reicht.

Trotz der eben aufgeführten Minuspunkte, habe ich den Roman gerne gelesen. Die Geschichte ist solide und humorvoll erzählt und man erfährt nebenher ein wenig über die Geschichte Spaniens, auch wenn diese eher als Hintergrund für das Leben der Encarna-Frauen dient. Fazit: kann man lesen, ist aber nicht schlimm, wenn man andere Bücher vorzieht.

Hero Rats

Ich geb’s zu: ich lese regelmäßig die Brigitte. Frauenzeitschriften hin oder her, ich mag die einfach, weil sie nicht so extrem tussig ist und neben dem üblichen Mädchenkram auch feine Rezepte und interessante Artikel enthalten sind. In der aktuellen Ausgabe bin ich wieder über so einen Artikel gestolpert, der mein Interesse geweckt hat. Darin geht es um Ratten. Um HeroRats, um genau zu sein. Die gemeinnützige Organisation APOPO bildet in Tansania Hamsterratten im Minensuchen und Tuberkulose-Erschnüffeln aus.

Noch heute sind zahlreiche Länder mit Minen kontaminiert, denen immer wieder Zivilisten zum Opfer fallen. Das Aufspüren von Landminen ist extrem gefährlich und kostet eine Menge Zeit und vorallem Geld. Viele der verminten Länder sind arm und haben somit Mühe bei der Minenräumung. Bei APOPO lernen die Ratten, TNT zu erschnüffeln und dieses durch Kratzen anzuzeigen. Die Tierchen sind extrem fix und mit zwei Betreuern können sie innerhalb von einer Stunde etwa 300 qm Land absuchen. Wären die beiden Menschen stattdessen mit Metalldetektoren unterwegs, würden sie für die gleiche Fläche zwei Tage brauchen. Wenn die Hamsterratten ihren Job erledigt und die Minen angezeigt haben, rückt APOPO mit schwerem Gerät an und räumt die Minen mit den entsprechenden Maschinen.

Tuberkulose ist noch heute eine weit verbreitete Krankheit, gerade in Afrika gilt sie als eine der häufigsten Todesursachen. Da die Infektion nicht unbedingt sofort zum Ausbruch führt, wird die Krankheit bei Betroffenen oft nicht sofort diagnostiziert, wodurch sich der Zeitraum für Ansteckungen natürlich vergrößert. Hier kommen jetzt wieder die Ratten ins Spiel, die in Speichelproben den TBC-Erreger erschnüffeln. Die Tiere schaffen in 7 Minuten 40 Proben, ein Labortechniker würde einen ganzen Tag an dieser Menge arbeiten. Zudem erkennen die Ratten auch Erreger in solchen Proben, die zuvor in der mikroskopischen Untersuchung als OK gewertet worden waren.

Ich finde die Arbeit von APOPO total spannend. Nicht nur vom humanitären Gesichtspunkt aus, sondern auch vom Tierischen. Viele Menschen haben eine Abneigung gegen Ratten – da wird dann oft der haarlose Schwanz erwähnt, dass Ratten Parasiten seien usw. Dass Ratten kluge Tiere sind, lässt sich allerdings nicht bestreiten und dass nun ausgerechnet diese verpönten Tiere eine so wichtige Arbeit leisten, hilft ja vielleicht doch noch dem einen oder anderen Skeptiker über seine Abneigung hinweg.

Wer noch ein bisschen mehr über die Arbeit von APOPO und die Hero Rats erfahren möchte, dem sei die Homepage dieser Organisation wärmstens ans Herz gelegt. Die Fotos von den Ratten sind außerdem echt schnuffig 😀