Kräuterwanderung

Zu Weihnachten haben Stefan und ich von meinem Bruder und seiner Freundin eine Kräuterwanderung geschenkt bekommen. Gestern war es dann soweit. Geleitet wurde die Wanderung von einer Heilpraktikerin, die uns alle möglichen Kräuter am Wegesrand gezeigt und erklärt hat. Stattgefunden hat das Ganze in bzw. um Waldenbuch, einem Städtchen in der Nähe von Stuttgart, wo übrigens die quadratisch-praktische Schokolade hergestellt wird.

Wiese bei Waldenbuch

Wiese bei Waldenbuch

Morgens um 10 Uhr sollte es losgehen. Nach einigen einführenden Worten, sind wir dann bei strömendem Regen los spaziert. Schon nach einigen wenigen Metern gelangten wir an saftige Wiesen, auf denen viele Blumen und Kräuter wuchsen. Und so ging es weiter über Wiesen, Felder und ein Stück durch den Wald, wobei sich Regen und Sonne munter abgewechselt haben.

Wir haben viele tolle Pflanzen kennengelernt und es war richtig interessant zu erfahren, was man damit anstellen kann und wie die einzelnen Kräuter wirken. Wusstet ihr zum Beispiel, dass Rotklee total lecker schmeckt und weibliche Hormone enthält? Stefan war ganz begeistert von dem Kraut und hat auf der Wanderung eine Blüte nach der anderen gemampft. Zur Beruhigung: die Östrogene kommen nur mittels eines chemischen Verfahrens heraus, der Rotkleegenuß ist also für Männlein und Weiblein „ungefährlich“ 😉

Der Wiesenbocksbart ist eine gelbe Blume, die ebenfalls essbar ist. Die Triebe schmecken angeblich ähnlich wie Spargel und auch die Wurzeln kann man essen. Die feinen Blätter haben einen leicht süßlichen Geschmack. Im Herbst sieht der Bocksbart dann aus wie eine Pusteblume, nur etwas struppiger, woher er auch seinen Namen hat. Leider habe ich diese hübsche Blume in unserer Gegend noch nie gesehen.

Wiesenbocksbart

Wiesenbocksbart

Jeder kennt Holunder und sicherlich kennt man auch das eine oder andere Rezept, das man daraus machen kann. Holunder wirkt bei Erkältungskrankheiten, so kann man aus den getrockneten Blüten und der Rinde einen feinen Tee machen. Sehr lecker sollen aber auch der Sirup oder Holundersekt sein. Und was ich auf jeden Fall mal ausprobieren möchte: Hollerküchle. Dafür nimmt man die Blütenrispen und taucht sie in Pfannkuchenteig, anschließend in heißem Fett herausbacken, Puderzucker darüber, fertig! Aus den Beeren selbst kann man Marmelade oder Gelee kochen. Aber Vorsicht – besser nicht an den rohen Beeren naschen, roher Holunder hat nämlich eine durchschlagende Wirkung 😉

Der Spitzwegerich ist sicherlich auch vielen bekannt, er wächst fast überall. Der Saft hilft bei Mückenstichen – dazu einfach die Blätter zwischen den Händen verreiben und auf den Stich auftragen. Die Pflanze hilft zudem bei Erkrankungen der Atemwege. Hier haben wir auch ein interessantes Rezept bekommen. Zuerst einmal geht man in den Garten und gräbt ein etwa 30 cm tiefes Loch. Danach nimmt man ein Schraubglas und bedeckt den Boden mit Spitzwegerich. Anschließend gibt man eine Schicht Honig darauf, anschließend eine Schicht Spitzwegerich und so weiter, bis das Glas voll ist. Das Glas wird nur lose mit etwas Papier verschlossen und schließlich im zuvor gegrabenen Loch versenkt und vergraben. Nach drei Monaten ist der Honig ausreichend gegoren und das Glas kann wieder ausgegraben werden. Ein Löffelchen davon hilft bei Husten oder Halsschmerzen. Noch zwei Tipps: zum Schutz gegen gefräßige Mäuse sollte auf das Glas ein Stück Holz gelegt werden. Außerdem empfiehlt es sich die Stelle zu markieren, damit man später nicht den ganzen Garten umgraben muss, um das Glas zu finden 😀

Knoblauchrauke

Knoblauchrauke

Gut gefallen hat mir auch die Knoblauchrauke. Wie der Name schon sagt, schmeckt sie leicht nach Knoblauch, allerdings viel feiner als Bärlauch. Auch Meerrettich wächst bei uns, was ich ja zuvor überhaupt nicht wusste. Und überhaupt sind viele Kräuter, die im Garten als Unkraut vernichtet werden essbar und zudem recht gesund… so wie Gänseblümchen, Löwenzahn oder Vogelmiere.

Die Wanderung war schön und lehrreich und ich kann sie nur jedem empfehlen, der mal ein wenig mehr über das Grün erfahren möchte, das so am Wegesrand wuchert. Wir haben gestaunt, was man alles essen und woraus man Hausmittelchen brauen kann, eben viel Wissen, das im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten ist. Ich habe nur eine kleine Auswahl der Pflanzen vorgestellt, zu denen uns die Heilpraktikerin etwas erzählt hat und musste mich echt bremsen, damit der Artikel nicht noch länger wird. Ich denke, das eine oder andere Kraut werden wir zukünftig in unseren Salaten oder zu Kräuterquark verarbeiten und vielleicht habe ich euch ja nun ebenfalls auf den Geschmack gebracht, mal was „Grünes“ zu versuchen.

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7 Kommentare zu “Kräuterwanderung

  1. Hallo Rennhenn,

    das ist ein sehr interessanter Artikel. Viele Kräuter werden als Unkraut weg gezupft, weil die meisten Leute gar nichts über Pflanzen und Kräuter und deren Verwendung wissen. Viele Kräuter sehen auch sehr ähnlich aus, wobei ein Kraut giftig ist, das andere dagegen nicht. Mir fällt da zB. der Acker Schachtelhalm (das Zinnkraut) und der Sumpf Schachtelhalm ein. Der Acker Schachtelhalm gilt als Heilmittel und der Sumpf Schachtelhalm ist giftig.

    Der Ackerschachtelhalm ist zB. gut zur Stärkung des Immunsystems und man kann ihn bei Wunden auch als Wickel verwenden. Wusstest Du dass der Acker Schachtelhalm auch Katzenschwanz genannt wird? Meine Oma kannte sich mit Kräutern sehr gut aus und hat oft welche gesammelt. Als Kind habe ich mehr als einmal Schachtelhalm – Wickel von ihr bekommen, wenn ich beim Rollschuh – laufen mal wieder fett auf der Nase gelandet bin.
    LG

  2. Soni sagt:

    Super Artikel Rennhenn, hätte gerne doppelt so lang sein können 🙂 Waldenbuch schöön ist ja ganz in meiner Nähe.

    Ja, leider werden viele sehr nützliche Kräuter einfach vernichtet, weil die Leute keine Ahnung davon haben. Ich finde solch eine Wanderung total spannend. Wollte ich auch schon immer mal mitmachen, weil ich mich dafür auch sehr interessiere – viele Kräuter kenne, viele aber auch nicht und wie Frau Wolkenlos schon sagt – man muß schon aufpassen da sich einige sehr ähnlich sehen.

    Hollerküchle gab es früher bei uns öfter – sehr lecker 🙂

    LG Soni

  3. Erdbeere sagt:

    Schöner Artikel, hat mir gut gefallen.

    So eine Kräuterwanderung steht bei mir auch noch auf dem Lebensplan.
    Zumindest war ich im vorletzten Jahr auf einer Blumenwanderung, zwar ohne Fachmännische Unterstützung, trotzdem war es sehr schön *g*

    Lieben Mittwochs-Gegenbesuch-Gruß
    Erdbeere

  4. rennhenn sagt:

    @ Frau Wolkenlos: Ja, manche Pflanzen kann man durchaus verwechseln. Fand es auch erstaunlich, dass auf so einer normalen Wiese sowas Giftiges wie die Herbstzeitlose wächst. Die ist ja wirklich saumäßig giftig und es braucht nicht allzu viel davon, um einen Menschen umzuhauen. Finde es aber toll, dass deine Oma sich gut mit Kräutern ausgekannt hat… meine Omas haben/hatten damit nichts am Hut, aber dafür wissen/wussten die über andere interessante Dinge zu berichten.

    @ Soni: Ach, du wohnst da in der Nähe? Ich merk’s mir für’s nächste Mal 😉 Die Kräuterwanderung kann ich dir sehr empfehlen, es ist einfach anders, wenn man die Pflanzen gezeigt und erklärt bekommt, als alles im Netz oder in Büchern nachzulesen. Wenn du magst, kannst du mal auf der Seite der Heilpraktikerin gucken: http://www.naturheilkunde-mueller.de/

    @ Erdbeere: Hallo, schön, dich hier zu lesen 🙂 Wie darf man sich denn eine Blumenwanderung ohne fachmänische Unterstützung vorstellen?

  5. Soni sagt:

    Naja nicht gerade nur ums Eck 🙂 aber nicht weit, so ca. 35 km. Ich wohne genau auf der anderen Seite von Stuttgart.

    Stimmt, es ist schon was ganz anderes als die Pflanzen nur nach Büchern zu suchen. Ganz lieben Dank für den Link *freu* werde ich mir gleich mal anschauen.

    LG Soni

  6. rennhenn sagt:

    35 km sind doch nicht viel, wir sind ja heutzutage nimmer mit der Pferdekutsche unterwegs 😀

    Die Dame bietet auch Kosmetikkurse an – das klingt auch total interessant und ich bin ja schon ziemlich versucht *hüstel*

  7. Soni sagt:

    Nein ist nicht viel, obwohl so mit der Pferdekutsche wäre ja klasse 🙂

    Heute morgen in der Hundegruppe hatten wir auch über Kräuter gesprochen und (manchmal ist man ja blind für die Umgebung) ich habe erfahren das im Nachbarort ein Kräutergarten (Gärtnerei) ist, der auch Führungen anbietet . Das will ich mir jetzt auch mal anschauen. Die haben auch noch andere tolle Sachen im Programm (Vorträge, Workshops, z.B. Seifenherstellung aus Kräuter …), hach, jetzt haste mich echt auf was gebracht.

    Kosmetikkurs wäre sicher auch sehr interessant.

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